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Was ist LaTeX?

Der LaTeX Begleiter von Goosens, Mittelbach und Smarin beschreibt LaTeX in der Einleitung wie folgt:
"LaTeX ist ein generisches Satzsystem, das die Formatierungsprozeduren von TeX betreibt."
Obwohl dieser Satz auf den ersten Blick sehr verwirrend wirken mag, so beschreibt er einen Aspekt sehr gut: LaTeX ist keine Textverarbeitung sondern ein Satzsystem, mit dem sich hervorragende Ergebnisse ohne großartige typographische oder gestaltersiche Kenntnisse zu besitzen.

Woher stammt LaTeX?Um LaTeX besser zu verstehen lohnt sich ein kurzer Blick auf die Herkunft dieses Satzsystems. Bereits 1977 entwickelte Donald Knuth das Satzsystem TeX. TeX (sprich: Tech) steht für die griechischen Buchstaben Tau Epsilon Chi und beschreibt Kunstfertigkeit und angewandtes Wissen. Knuths anvisierte Zielgruppe waren hauptsächlich Wissenschaftler, die Einfluss auf das fertige Druckbild ihrer Publikationen nehmen wollten. Zwar war die Bedienung sehr kompliziert, aber aufgrund der Stärken von TeX speziell im Formelsatz, konnte es sich bei Mathematikern und Ingenieuren in kurzer Zeit als Standard etablieren.
Basierend auf TeX entwickelte in den 1980ern Leslie Lamport LaTeX, welches die Anwendung von TeX weiter vereinfachte. Der Anwender muss im Gegensatz zu TeX nicht hunderte von Befehlen kennen, sondern kann mit einer Handvoll bereits komplexe Dokumente erstellen. Mittlerweile ist TeX in Form von LaTeX weit verbreitet. Im Unterschied zu TeX genügt es bei LaTeX die logische Struktur eines Dokuments, wie Kapitel, Überschriften und Fußnoten anzugeben. Hieraus übersetzt der Interpreter dann automatisch die Struktur in gestaltende TeX-Befehle. Unter OS X wird ein LaTeX Dokument sofort als pdf erzeugt, so dass drucken und weitergeben kein Problem darstellen.

Wie funktioniert nun die Arbeitsweise von LaTeX? Klassische Textverarbeitungen wie Word und AppleWorks funktionieren nach dem WYSIWYG-Prinzip (What You See Is What You Get, also wie es auf dem Bildschirm aussieht wird auch das fertige Druckbild sein), werden besagtem Prinzip aber nicht immer ganz gerecht. Die Arbeitsweise solcher Programme basiert auf dem Markieren von bestimmten Bereichen, und dem Zuweisen von Eigenschaften. So lässt sich beispielsweise ein Wort fett drucken indem zunächst das Wort markiert, und dann aus dem Menü der Punkt Formatierung/Fett ausgewählt wird. Danach erscheint das Wort auf dem Bildschirm ebenfalls fett.
Ein LaTeX-Dokument ist eher vergleichbar mit einem HTML Dokument. Um ein Wort fett auszuzeichnen bedarf es eines Befehls im laufenden Text. Die Anweisung im Dokument sieht zunächst aus wie folgt:

Dieses Word soll \textbf{fett} gesetzt werden.
Das Resultat im Druck sieht in etwa wie folgt aus:

Dieses Wort soll fett gesetzt werden.

Ein einfaches Dokument

Ein einfaches Dokument könnte so aussehen:Das Resultat im Druck so:
\documentclass{article}
\usepackage{german}
\begin{document}
\section{Hier ist der Titel}
Hier steht der eigentliche Text.
\end{document}
1 Hier ist der TitelHier steht der eigentliche Text.

Hieran lässt sich die prinzipielle Funktionsweise von LaTeX zeigen. Befehle werden immer mit einem führenden Backslash (\) in den bestehenden Text eingefügt. In der Präambel werden, wie bereits erwähnt, die für das gesamte Dokument gültigen Eigenschaften definiert. In obigem Beispiel wird zunächst festgelegt, um was für eine Art Dokument es sich handelt. Neben der Klasse "article" gibt es zahlreiche andere Klassen, die bereits standardmäßig zu LaTeX gehören, wie "report", "book" oder "letter". Andere, speziell an deutsche Bedürfnisse angepasste Klassen lassen sich entweder selbst erstellen oder aus dem Internet herunterladen. Mittels des Befehls usepackage{german} wird LaTeX angewiesen die deutsche Silbentrennung für das aktive Dokument anzuwenden.
Zwischen begin{document} und end{document} steht der eigentliche Text. Hier lassen sich ebenfalls Befehle einbinden, die entweder die Struktur, oder die Formatierung einzelner Worte festlegen. Mittels section wird eine neue Gliederungsebene geöffnet, deren Überschrift "Hier ist der Titel" lautet. Mit einem einfachen Befehl lässt sich später automatisch ein vollständiges Inhaltsverzeichnis anlegen, was bei traditionellen Textverarbeitungen erfahrungsgemäß immer mit Problemen verbunden ist.
Mit Hilfe spezieller Klassen lassen sich von juristischen Gutachten bis hin zu den eigenen Memoiren verschiedenste Dokumente erstellen. Das LaTeX-Format kann auf allen Computersystemen problemlos verwendet werden, ohne mit Kompatibilitätsproblemen kämpfen zu müssen. Da LaTeX nicht auf die systemeigenen Schriften zurückgreift, sondern eigene mitbringt, besteht bei der Bearbeitung auf mehreren Systemen auch nicht das beispielsweise von Word bekannte Problem, dass Schriften willkürlich und ohne Warnung ersetzt werden.
Was auf den ersten Blick sehr verwirrend erscheinen mag, ist bei näherer Betrachtung also sehr strukturiert und nachvollziehbar.